Die fünf Eichen im Obstgarten

Heute stehen im „Obstgarten Fünfeichen“ tatsächlich 5 große Eichen. Neben diesen stehen beispielsweise auch Birken und unterschiedliche Weidenbäume auf der Fläche verteilt.

Das Vorhandensein derartiger Waldbäume, also nicht Obstbäume, führt zwangsläufig zu beträchtlichen Ertragseinbußen. Das ist das zunächst Offenkundige. Um die Eichen herum wachsen die Obstbäume, nicht nur wegen der Beschattung, schlecht oder sterben gar ab. Als Bewirtschafter sollten wir also alles in Bewegung setzen, um „das Problem“ zu lösen. Hinzu kommt, dass solche großen Bäume und Baumgruppen von der landwirtschaftlichen Förderung ausgenommen sind. Sie gelten als Landschaftselemente und wo diese stehen ist keine Obstfläche. So haben wir doppelten Verlust – so scheint es, so ist es auch auf der einen Seite.

Die großen Bäume haben aber auch einen ökologischen Wert. Eine Obstwiese lässt sich aus unserer Sicht extensiv nur bewirtschaften, wenn das Ökosystem sich so komplex wie möglich entwickeln kann. Und derart große Bäume und Baumgruppen bieten Lebensräume für Organismen, die es sonst auf den Flächen nicht geben würde.

Einfluss der Beweidung

Die Beweidung von Obstwiesen hat viele offenkundige Konsequenzen für die Standortentwicklung. Der Einfluss auf die Bodenentwicklung wird an gegebener Stelle diskutiert. Damit haben die Weidetiere bereits eher mittelbar aber sehr erhebliche Auswirkung auf die Zusammensetzung der Bodenvegetation.

Der Verbiss der Bodenvegetation durch die Schafe ist entscheidend für die Arten der Pflanzen, die auf den Wiesen vorkommen. Wir haben die Entwicklung seit Beginn der Bewirtschaftung verfolgt – weniger analysiert. Daher können wir leider keine fundierte Dokumentation vorweisen.

Eine erste Bestandsaufnahme nach ca. 15 Jahren Bewirtschaftung / Beweidung haben Wiebke und Frauke Spannhoff in ihrer Masterarbeit geliefert. Da der Vergleich mit ähnlichen, bestenfalls unbewirtschafteten, Flächen der Umgebung nicht Gegenstand ihrer Arbeit war, lassen sich keine Rückschlüsse auf die Entwicklung ziehen.

Bei oberflächlicher Betrachtung hat sich der Eindruck verstärkt, dass die Artenvielfalt tendenziell zugenommen hat. Was sicher festgestellt werden kann ist das starke Zurückdrängen von Landreitgras. Insgesamt scheint die Bodenvegetation eine ausgewogenere Zusammensetzung aus krautigen Pflanzen und Gräsern zu besitzen. Der Anteil an Leguminosen wie Klee, Esparsette und Luzerne scheint deutlich zuzunehmen.

Nur bedingt der Bodenvegetation zuzuordnen sind die immer stärker auftretenden Pilze. Seit langem haben sich Wiesenchampignon und Parasolpilz etabliert. Doch die Vielfalt nimmt erkennbar zu. Pilze haben eine große Bedeutung für die Bodenentwicklung. Daher sehen wir diese Entwicklung mit Freude – nicht nur wegen der geschenkten Zusatzernte.

Sortenwahl

Georg Bogislav MüschenBei der Sortenwahl haben wir in erheblichem Umfang die Ratschläge des Pomologen Müschen aus seinem Buch „Der Obstbau in Norddeutschland“ berücksichtigt. Darüber hinaus sind einige neuere Sorten aus der Pflanzenzüchtung der DDR zum Einsatz gekommen. Die Vielfalt von mehr als 100 Obstsorten soll eine möglichst hohe Ertragsstabilität gewährleisten. Nicht unerheblich bei unseren Überlegungen war auch die Frage nach einer aktualisierten Prüfung der Anbauwürdigkeit der oft gepriesenen sogenannten „Alten Sorten“ im aktuellen ökologischen Kontext und Kundenerwartungen.

Philosophie

Hornmist und Hornkies als wichtige Präparate der anthroposophischebn Landwirtschaft

Das vornehmste Ziel unserer landwirtschaftlichen bzw. gartenbaulichen Arbeit ist die Erzeugung qualitativ hochwertigen Obstes. Dabei ist es wichtig, nicht gegen die natürlichen Prozesse vorzugehen, sondern diese in die Bestandsentwicklung positiv einfließen zu lassen. Trotz unserer naturwissenschaftlichen, akademischen Ausbildung glauben wir nicht, dass wir die Komplexität der Kräfte und Einflüsse auf einen Standort, der beispielsweise einen Obstgarten beherbergt, verstehen und kalkulieren können. Daher ist die tägliche Beobachtung der stattfindenden Entwicklungen von enormer Bedeutung für unsere Arbeit. Aus den Beobachtungen Erkenntnisse abzuleiten ist ein schwieriger und langwieriger Prozess, zu dem wir einen Beitrag leisten wollen.


Masterarbeit Wiebke und Frauke SpannhoffEinen Beitrag bei der Analyse des Istzustandes, dem Resultat der bisherigen Bemühungen, haben 2 Masterstudentinnen aus Neubrandenburg geleistet. Wiebke und Frauke Spannhoff haben sich im Rahmen ihrer Masterarbeit mit unserer Arbeit auseinandergesetzt. Das Resultat ihrer ernsthaften Bemühungen darf ich mit ihrer Genehmigung an dieser Stelle der Öffentlichkeit zur Verfügung stellen.


Die Verkürzung unserer Beobachtungen auf etablierte Auffassungen, die Suche nach Bestätigung von Lehrmeinungen ist nicht unser Ansatz. Dies wäre aus unserer Sicht im 21. Jahrhundert auch nicht mehr zeitgemäß. So wurde in der Wissenschaftstheorie Karl Raimund Poppers bereits dargelegt, dass es faktisch nicht möglich ist, die Gültigkeit von Theorien zu beweisen. Einzig das Widerlegen ist möglich (Theorie des logischen Falsifikationismus). So gehen wir bewusst davon aus, dass jede von uns gesetzte Annahme der Richtigkeit unseres Vorgehens nur ein „Als ob“ (Hans Vaihinger: Die Philosophie des Als Ob) sein kann – wir können irren. Nur mit einer derartigen Offenheit der Beobachtung und Schlussfolgerung hoffen wir unsere Arbeit in zunehmendem Maße auf solidere Füße zu stellen.

Vernünftige Einsicht zu haben, ist die größte Tugend, und Weisheit ist es, Wahres zu reden und gemäß der Natur zu handeln, indem man auf sie hört.

Herakleitos von Ephesos

Rudolf SteinerDa wir nicht wissen können, welche Einflüsse unsere Obstbaumbestände beeinflussen und welcher Art diese Einflüsse sind, haben wir begonnen, in bei der Bewirtschaftung anthroposophische Aspekte zu berücksichtigen. Offen für diesen Ansatz hat uns die Erkenntnis gemacht, dass Homöopathie alles andere als „Hokus Pokus“ oder Aberglaube ist. Diese Erkenntnis öffnete uns für die Möglichkeit, dass von der Anthroposophie verkündete Gesetzmäßigkeiten auch nicht notwendig unsinnig sein müssen, nur weil sie sich im Rahmen dessen nicht erklären lässt, was man heute als etablierte Wissenschaft bezeichnet. Auch hier verfolgen wir den Ansatz des „Als ob“. Es schadet nicht, wenn es keinen Einfluss hat, denn negative Konsequenzen ließen sich gegebenenfalls genau so wenig erklären wie positive. Wir gehen nicht apriori davon aus, dass es einen Einfluss gibt, zumal es auch anthroposophisch motivierte Wissenschaftler schwer haben, ihre Thesen zu fundieren. Aber die Frage ist, ob das ein ausreichendes Argument sein muss (s. Popper).